DIE VERGANGENHEIT IN DER GEGENWART: VERANSTALTUNGEN

WASSERBRUNNEN ŠTERNE – DIE QUELLE DES LEBENS
Das Karstrelief kann mit seinen wasserdurchlässigen Kalksteinfelsen kein Wasser zurückhalten und bietet dementsprechend eher ungünstige Lebensbedingungen. Der Fluss Rječina, das einzige Flusswasser in diesem Gebiet und zugleich die nordöstliche Grenze zwischen der Gemeinde Viškovo und dem Gebiet von Grobnik, war immer schon eine wichtige Wasserquelle. Vor der Errichtung des modernen Wasserversorgungssystems war Rječina für die Bewohner von Viškovo aber eher unzugänglich. Aus diesem Grund waren für sie die Wasserbrunnen – örtlich Šterne genannt – die Quelle des Lebens.
Lange Zeit gab es hier nur wenige Brunnen. Sie wurden ausgehoben, indem man ein tiefes Loch in den Boden grub, und dann mit einem Stein abgedeckt. Im 19. Jahrhundert begann dann der Bau der Gemeindebrunnen im Zentrum des Dorfes. Das Wasser wurde in Rohren von umliegenden Hausdächern in den Brunnen geleitet. Jedes Dorf im Gebiet von Viškovo erhielt einen solchen Brunnen; der älteste ist der Brunnen in Saršoni aus dem Jahr 1857.
Da Wasser täglich gebraucht wird, entwickelten sich die Brunnen zu Treffpunkten für Jung und Alt, die dort Neuigkeiten austauschten und gemeinsam Zeit verbrachten. Dass Kinder nicht ins tiefe, kalte Wasser fallen, dafür sorgte die lokale Legende vom Fabelwesen Malik. All dies machte den Brunnen zu einer Lebensquelle – auch im übertragenen Sinne.
Im Laufe der Zeit erhielt jeder Haushalt Leitungswasser. Die Brunnen wurden vernachlässigt und vergessen und ihre gesellschaftliche Rolle wurde von anderen Standorten übernommen.
Aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung der Brunnen veranlasste der Tourismusverband Viškovo 2007 ihre Erneuerung. Insgesamt 28 öffentliche Brunnen wurden aufgelistet und renoviert: vier in Marčelji, fünf in Marinići, zwei in Mladenići, acht in Saršoni, vier in Sroki und fünf in Viškovo. In den Sommermonaten werden dort Kultur- und Unterhaltungsprogramme veranstaltet und die historischen Brunnen werden dadurch – zumindest eine Zeit lang – wieder lebendig.
MAJEVICA
Majevica ist der Name für den ersten Sonntag im Mai. Einst warteten die Mädchen hier voller Ungeduld auf diesen Tag, denn in der Nacht zu diesem speziellen Sonntag brachten junge Männer Blumen zum Fenster des Hauses ihrer Angebeteten. Auf den Schornstein oder einen anderen hohen Punkt neben dem Haus (üblicherweise ein Walnuss- oder Maulbeerbaum) platzierten sie darüber hinaus den Maj – ein immergrünes Bäumchen (Wacholder, Tanne oder Lorbeer) oder einen blühende Eschen- oder Kirschenzweig.
Auch ein traditionelles Lied gab es zu diesem Anlass:
„Majevica, schöner Sonntag,
Du schmückst mein Fenster,
Oder die Maulbeere darunter.“
In dieser Nacht fanden die Mädchen nicht viel Schlaf. Lag am nächsten Morgen Kohl auf ihrem Fenster, bedeutete dies, dass sie jemandem etwas Böses getan hatte. In diesem Fall stand das Mädchen früh auf, um dieses Zeichen des Spottes zu entfernen, bevor es die Nachbarn sehen konnten.
Am Nachmittag fand dann der letzte Frühlingstanz statt. Die meisten jungen Männer gingen danach in die benachbarten Berge, um Holzkohle oder Kalk zu brennen.
Als Andenken an diesen Brauch organisiert der Tourismusverband Viškovo die Frühlingsveranstaltung Majevica, um so lokale Traditionen, kulturhistorisches Erbe, die lokale Küche und altertümliche Bräuche des Halubje-Gebietes zu würdigen. Die Veranstaltung findet am ersten Sonntag im Mai statt und ihr Symbol ist der Flieder (örtlich als Majevica bekannt).

PROŠEĆI SE S MANUN (GEHEN WIR SPAZIEREN)

In der Gemeinde Viškovo gibt es mehrere Spazier- und Wanderwege, die scheinbar weit entfernte Orte miteinander verbinden. Einige dieser Wege wurden ausgeweitet und asphaltiert, aber die meisten konnten ihr jahrhundertealtes Aussehen bis heute bewahren.
Die Wege, die zu den einst zahlreichen Weiden, Äckern und Gärten führten, die von Trockenmauern (Link) umgeben waren und in denen verschiedene Kulturpflanzen angebaut wurden, haben mittlerweile ihren Zweck verloren, da diese Art der Landwirtschaft nicht mehr profitabel ist. Entlegene Ackergrundstücke wurden verlassen und sind mit der Zeit zu Hainen geworden, in denen Rehe, Hasen, Marder, Füchse und diverse Vogelarten einen neuen Lebensraum gefunden haben.
Der Tourismusverband Viškovo hat in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Wanderverein diese Wege mappiert und ihre Erneuerung eingeleitet. Das Ergebnis sind drei Wander- und fünf Radwege.

KARNEVAL
Die Karnevalszeit in der Gemeinde Viškovo beginnt am 17. Januar, dem Gedenktag des hl. Antonius, Schutzpatron der Nutztiere. Dies spiegelt die traditionelle Lebensart in diesem Gebiet wider, bei der die Tierhaltung im Mittelpunkt stand. Der Anfang des Karnevals wird traditionell durch das Blasen des Horns und das Aufhängen einer Strohpuppe, bekannt als Pust, eingeläutet. Am Fastnachtsdienstag, dem Tag vor Aschermittwoch, werden der Strohpuppe alle schlechten Dinge, die im Vorjahr passiert sind, angelastet und dann wird sie verbrannt.
Der Karneval fällt in die Zeit des Winters, in der die Vegetation noch ruht und das erneute Erwachen der Natur bevorsteht. Für die Einheimischen bedeutete dies eine Pause von der ganztätigen Arbeit und mehr Zeit für geselliges Beisammensein und Unterhaltung. Tatsächlich wird der Karneval auch oft als die „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet.
Typische Karnevalsfiguren in diesem Gebiet sind die Glockenträger von Halubje – „Halubajski zvončari“. Ihr Karnevalsumzug befindet sich auf der UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes und erinnert uns an vergangene Zeiten, als die administrativen Grenzen andere waren. Der Sinn dieses Umzugs allerdings blieb unverändert: die Menschen zu verbinden. Von den Einheimischen werden die Glockenträger heute wie damals mit traditionellen Gerichten willkommen geheißen. (Link)
Diese Tradition basiert auf dem Wunsch des Menschen, dass das Gute das Böse bezwingt bzw. das neue Leben (der Frühling) den Tod (Winter) besiegt. Heute spiegelt sich dies auch in den Sportaktivitäten und Unterhaltungsangeboten wider, die zum Halubje-Karneval gehören.

DER KARNEVAL VON HALUBJE
Der Karneval spiegelt die traditionellen Bräuche und den universellen Wunsch des Menschen wider, dass der Frühling den Winter und das Gute das Böse besiegt. Heutzutage wird das Karnevalsangebot in Halubje um Sport- und Unterhaltungsaktivitäten erweitert, die alle zur Veranstaltungsreihe „Der Karneval von Halubje“ gehören.
Der Karneval von Halubje findet seit 1999 statt und basiert auf der jahrhundertalten Tradition der Glockenträger Halubajski zvončari (Link). Bei allen Karnevalsveranstaltungen steht die Erhaltung lokaler und traditioneller Werte im Mittelpunkt. Dadurch wird der Karneval zu einem Ereignis, das zugleich die „lebendige Tradition“ und das Gebiet von Halubje einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.
Der Karneval findet am ersten Sonntag nach dem Antoniustag statt und wird von den Karnevalsgruppen und anderen Verbänden in der Gemeinde Viškovo organisiert – von Kindergärten bis hin zu Rentnerverbänden sind alle mit dabei. Neben dem zentralen Karnevalsumzug finden in dieser Zeit diverse Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Konzerte, Ausstellungen oder Masken-Wettbewerbe statt.
Während des Karnevals wird Marčelji zu einem Treffpunkt für junge Glockenträger aus anderen Orten, die diese Tradition pflegen. Am Karneval von Halubje nehmen auch Karnevalsgruppen aus den benachbarten Ländern Slowenien und Italien teil.